Europäische Tage des Denkmals

Macht und Pracht

Samstag, 9. und Sonntag, 10. September 2017

Villen, Schlösser, Landgüter und Fabriken: Vermeintlich einfach lässt sich das diesjährige Thema der Europäischen Tagen des Denkmals anhand prächtiger Bauten vermitteln. Doch was ist mit den zahlreichen, namenlosen Arbeitern und Bauern, welche die Pracht überhaupt erst durch ihre Arbeitskraft ermöglichten? Und was ist mit den Frauen, denen die Teilhabe an der Macht lange Zeit verwehrt blieb?
An den Denkmaltagen nehmen wir die Bauten der Mächtigen ebenso wie die Machtverhältnisse selbst in den Blick: Villen und Fabriken, Direktoren und Arbeiter, Bauern und die Staatsmacht. Wir besichtigen unter anderem ein Ritterhaus, besuchen den Schauplatz des «Bockenkriegs», wandern auf Pfaden von Dichtern über den Pfannenstiel und lernen einige ungewöhnliche Frauen kennen, die bereits im 19. Jahrhundert Karriere machten.
Die drei Denkmalpflege Fachstellen im Kanton Zürich sowie eine Reihe von Eigentümern, Vereinen und Organisationen haben auch dieses Jahr ein thematisch breit gefächertes Programm zusammengestellt. Zwischen dem 4. und dem 10. September finden im ganzen Kanton Führungen, Lesungen, Vorträge, Rundfahrten, Wanderungen und Spaziergänge statt. Für unsere jüngeren Besucherinnen und Besucher gibt es am Sonntag dem 10. September auf dem Maggi-Areal in Kemptthal sowie im Museum «Am Römerholz»in Winterthur ein Kinderprogramm.

Wir freuen uns darauf, Ihnen spannende Objekte zu zeigen und die Geschichten dazu zu erzählen.
 

Kemptthal

Mit Maggi macht das Kochen Spass

1886 bringt Julius Maggi die legendäre Fertigwürze auf den Markt. Die Fabrik entwickelt sich zu einem riesigen Unternehmen mit Auswirkungen auf die gesamte Region. Was geschieht mit dem Areal, auf dem bis zu 700 Personen arbeiteten? Welchen Beitrag leistet die Givaudan? Die «verbotene» Stadt öffnet ihre Tore und lässt in Vergangenheit und Zukunft blicken.
 

 

Wann: Sonntag, 10. September
10 bis 16.30 Uhr durchgehend Führungen/Programm
Wo: Kemptpark 1, Fabrikareal, Bahnhof Kemptthal, beim Informationsstand am Fabrikeingang
ÖV: Bahn S7 oder Bus 650 bis Kemptthal
Was: Postenführungen, Filme und Plakatausstellung zur Geschichte des Areals und seiner Arbeiter, zur aktuellen Arealentwicklung und zum ersten Umnutzungsvorhaben der Givaudan AG durch Gaby Weber und Roger Strub, kantonale Denkmalpflege Zürich, Viola Müller, Architektin, Bertram Ernst, Architekt, Mikula Gehrig, Mettler2Invest AG, und durch Givaudan.
Organisation: Kantonale Denkmalpflege Zürich und Givaudan Schweiz AG

Kemptthal

Wer, wie, was? Wieso, weshalb, warum?

Wie wird eine Mühle angetrieben? Was verbirgt sich hinter den vielen Backsteinbauten? Wer oder was ist «Maggi»? Nach was duftet es heute? Wie bringe ich eine Draisine zum fahren? Löse Rätsel und Aufgaben und entdecke dabei die unbekannte Welt einer grossen Fabrikanlage.
 

 

 

Wann: Sonntag, 10. September
10 bis 16.30 Uhr (Dauer ca. 1 Std.)
Wo: Kemptpark 1, Fabrikareal, Bahnhof Kemptthal, beim Informationsstand am Fabrikeingang
ÖV: Bahn S7 oder Bus 650 bis Kemptthal
Was: Erlebnispfad für kleine und grosse Forscher von 5 bis 99 auf dem ganzen Fabrik-Areal, Begleitung durch Bezugspersonen erforderlich. Kemptpark, von 10 bis 16.30 Uhr durchgehend. Für Erwachsene gibt es alte Werbefilme und Plakate sowie Postenführungen zur Geschichte des Areals, zur aktuellen Arealentwicklung und zum ersten Umnutzungsvorhaben durch die kantonale Denkmalpflege, die Areal-Eigentümer und die Architekten.
Organisation: Kantonale Denkmalpflege Zürich und Givaudan Schweiz AG

Zürich

Renaissance an der Bahnhofstrasse: Das Bankhaus Leuenhof

Der «Leuenhof» – ehemaliger Hauptsitz der Bank Leu – und der «Peterhof» – Firmensitz des Bekleidungsgeschäftes «Seiden Grieder» – zählen zu den markantesten Geschäftshäusern an der oberen Bahnhofstrasse.
Sie gelten neben dem an der Börsenstrasse gelegenen Hauptsitz der Schweizerischen Nationalbank als Hauptwerk der renommierten Zürcher Architekten Otto (1880−1959) und Werner Pfister (1884−1950). Die beiden zusammengebauten Geschäftshäuser wurden um 1913 als frühe Eisenbetonbauten errichtet. Ihre moderne Konstruktionsweise verbergen sie hinter einer im Stil der hanseatischen Renaissance gehaltenen Muschelkalk-Fassade mit repräsentativem Treppengiebel. Die Bank Leu wurde 1775 als Staatsbank von Zürich gegründet. Gründungsmitglied und Namensgeber war der spätere Bürgermeister Johann Jacob Leu (1689–1768). Nach der Privatisierung im Jahre 1798 – als Folge des «Franzoseneinfalls» – existierte die Bank als eigenständiges Haus bis zu ihrer Zusammenführung mit der Credit Suisse im Jahr 2012.

Wann: Samstag, 9. September
10 Uhr (Dauer ca. 1 Std.)
Wo: Bahnhofstrasse 32, Bank Leu, vor dem Haupteingang
ÖV: Tram 2, 4, 6, 7, 8, 9, 11, 13, 15 oder 17 bis Haltestelle «Paradeplatz»
Was: Führung durch Pietro Wallnöfer, kantonale Denkmalpflege Zürich
Anmeldung bis 4. September bei: are.denkmalpflege@bd.zh.ch
Organisation: Kantonale Denkmalpflege Zürich

Zürich

Frauen nehmen sich Macht: Zürichs Unternehmerinnen

Auf dem Rundgang entlang der Bahnhofstrasse begegnen wir politisch, beruflich und gemeinnützig engagierten Frauen sowie ihren zahlreichen Unternehmungen. Sie gründeten Spitäler und Ausbildungsstätten, behaupteten sich als Unternehmerinnen in der Privatwirtschaft oder waren Pionierinnen gesellschaftlicher Reformen. Mit ihren Projekten stiessen sie in der männerdominierten Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts oft auf Skepsis und Widerstände. Was ihnen half, sich dennoch durchzusetzen, war ein engmaschiges Beziehungsnetz von Freundinnen und Mitstreiterinnen in Verbänden und Vereinen.
Frauenfreundschaften wurden deshalb wiederholt angefeindet, lächerlich gemacht oder zum Ziel von Verleumdungskampagnen, wie wir am Beispiel der Zürcher Ärztin Caroline Farner und ihrer Lebenspartnerin Anna Pfrunder zeigen.

Wann: Samstag, 9. September
13.30 Uhr (Dauer ca. 1 Std. 30 Min.)
Wo: Treffpunkt am Hauptbahnhof, beim Hauptportal Ausgang Bahnhofstrasse gegenüber Alfred-Escher-Denkmal
ÖV: Bahn bis Zürich
Was: Führung an der Bahnhofstrasse und durch versteckte Innenhöfe durch Linda Christen und Nadja Koch, Historikerinnen
Organisation: Verein Frauenstadtrundgang Zürich

Zürich

Das Stadtpalais Rechberg: barocke Pracht – städtische Macht

Das zwischen 1758 und 1770 errichtete Palais «Rechberg», einst «Krone» genannt, ist der bedeutendste Rokokobau des Kantons Zürich. Die reiche Innenausstattung zeugt vom hohen Anspruch des Ehepaares Werdmüller-Oeri. Seine Geschichte ist eng mit den einflussreichsten Zürcher Familien verbunden. Bereits kurz nach Bauvollendung diente das Palais als repräsentative Lokalität für den Empfang in- und ausländischer Prominenz, darunter die Generäle der Koalitionskriege der österreichische Kaiser Franz I. oder Zar Alexander I. von Russland. Zwischen 2012 und 2014 erfolgte die Gesamtinstandsetzung des Ensembles.

Wann: Samstag, 30. September und Sonntag, 1. Oktober
Führungszeiten siehe www.openhouse-zuerich.org
Wo: Hirschengraben 40, Rechberg, im Innenhof
ÖV: Tram 3 oder 15 oder Bus 31 bis Haltestelle «Neumarkt», danach ca. 1 Min. Fussweg
Was: Andreas Gallmann, Historiker, kantonale Denkmalpflege
Anmeldung unter www.openhouse-zuerich.org
Organisation: Kantonale Denkmalpflege Zürich

Horgen

Ein Aufstand gegen Macht und Pracht: der Bockenkrieg

Bocken war nicht nur Landsitz hochbarocker und grossbürgerlicher Macht und Pracht, sondern 1804 auch Schauplatz des sogenannten «Bockenkriegs» zwischen der aufständischen Landbevölkerung und Regierungstruppen. Der Horgner Schuster Hans Jakob Willi spielte dabei eine zentrale Rolle; er wurde dafür mit anderen Rädelsführern zum Tode verurteilt und hingerichtet.

 

Wann: Sonntag, 10. September
9, 11 und 13 Uhr (Dauer ca. 45 Min.)
Wo: Bahnhofstrasse 27, Ortsmuseum Sust Horgen
ÖV: Ab Bahnhof Horgen ca. 5 Min. Fussweg, seeaufwärts
Was: Führungen durch Walter Bersorger, Historiker, Kurator Ortsmuseum Sust Horgen.
Zwischen dem Ortsmuseum Sust Horgen und dem Landsitz Bocken verkehrt ein historischer Autobus.
Organisation: Ortsmuseum Sust Horgen

Horgen

Das Bockengut: barocke Pracht und bäuerlicher Musterbetrieb

«Herr Statthalter Andreas Meyer [liess] einen herrlichen Palast ganz von Steinen erbauen».
Das Bockengut, errichtet im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts, war mehr als nur ein Landsitz: Es bildete das Zentrum eines grossen Landwirtschaftsbetriebes, einer weltberühmten Pferdezucht, war Badeanstalt, Schlachtfeld und Töchterinstitut.
Mit dem Besitzerehepaar Alfred und Renée Schwarzenbach-Wille wurde es zur Stätte musikalischer Aktivität: Komponisten wie Richard Strauss oder Othmar Schoeck gingen im Bocken ein und aus.

Wann: Sonntag, 10. September
10.30, 13 und 15 Uhr (Dauer ca. 1 Std. 30 Min.)
Wo: Bockenweg 2, Landgut Bocken, Treffpunkt vor dem ehemaligen Reitgebäude, heute Reception Seminarhotel Bocken
ÖV: Von der Sust Horgen mit dem historischen Autobus oder ab Bahnhof Horgen Bus 132 oder ab Bahnhof Horgen Oberdorf Bus 131 bis Haltestelle «Bocken», danach ca. 2 Min. Fussweg
Was: Führungen durch Andreas Gallmann, und Stefanie Magel, kantonale Denkmalpflege Zürich durch das Herrenhaus, die Reithalle sowie Teile des landwirtschaftlichen Betriebes. Kinder werden ihre Freude haben am Tiergehege mit Ziegen, Eseln und Lamas. Individuelle Besichtigung des Parks bzw. Geländes beim Bockengut, inkl. Kunst im öffentlichen Raum immer möglich, da frei zugänglich.
Zwischen der Sust in Horgen und dem Landgut Bocken verkehrt ein historischer Autobus.
Organisation: Kantonale Denkmalpflege Zürich, Credit Suisse und Seminarhotel Bocken

Horgen

Pläsirfahrten auf historischen Zürichsee Booten

Die Personen-Schifffahrt auf dem Zürichsee reicht zurück bis ins ausgehende Mittelalter. Die damaligen Pilgerströme nach Einsiedeln ermöglichten vielen Gasthöfen und Fährbetrieben ein Auskommen. Deshalb siedelten sich Werften, welche die Pilgerboote bauten, um den See an. Mit dem Aufkommen der privaten Ausflugsboote um 1900 begannen einige Werften inspiriert vom Boots- und Yachtbau in den USA, Boote für die «Freude des Bürger» zu bauen.
Die Stiftung Historische Zürichsee Boote sammelt Zeugen des Schaffens der Werften an den Zürcher Seen und erhält sie in einem «mobility»-ähnlichen Sharingsystem nachhaltig in Betrieb.
Die Stiftung zeigt ihre Boote im Hafen Horgen und führt kurze Rundfahrten durch mit dem 1912 von Emil Leemann in Pfäffikon ZH gebauten Pläsirboot ANNIE, dem 1921 bei Suter & Portier in Meilen gebauten Backdeckkreuzer FRÖSCH (beide nur bei trockenem Wetter) und dem 1936 bei John Faul in Horgen gebauten Weekend-Kreuzer AJAX.

Wann: Sonntag, 10. September
Abfahrt von 10.30 bis 16.30 Uhr alle 15 Min. (Dauer ca.
20 Min.)
Wo: Hafen Horgen, zwischen Bahnhof und ZSG-Steg
ÖV: Ab Bahnhof Horgen ca. 1 Min. Fussweg
Was: Rundfahrten durch die Kapitäne der Stiftung HZB, bei jedem Wetter, ausser Sturmwarnung
Max. 10-12 Personen pro Fahrt, Tickets vor Ort erhältlich
Organisation: Stiftung Historische Zürichsee Boote

Neuhausen am Rheinfall

Unbekannter Rheinfall

Auf einer kleinen Wanderung inklusive Bootsfahrt entdecken wir die beiden Schlösser Laufen und Wörth neu. Heute vor allem als malerische Kulisse des imposanten Wasserfalles wahrgenommen, hatten die Schlösser früher eine ganz andere Funktion. Und wussten Sie, dass sich im Wald die Ruine eines dritten Schlosses versteckt?

 

Wann: Samstag, 9. September
10 und 14 Uhr (Dauer ca. 1 Std. 30 Min.)
Wo: Nohlstrasse, Parkplatz Rheinfall P3, Treffpunkt beim Ticketautomaten
ÖV: Bus 1 ab Bahnhof Schaffhausen oder Bus 6 ab Bahnhof Neuhausen bis Haltestelle «Neuhausen Zentrum», danach 10 Min Fussweg.
Bahn bis Haltestelle «Neuhausen. Rheinfall», danach 10 Min. Fussweg Richtung Adventure Park Rheinfall.
Was: Führungen durch Christian Muntwyler, kantonale Denkmalpflege Zürich, und Kathrin Schäppi, Kantonsarchäologin
Organisation: Kantonsarchäologie Schaffhausen in Kooperation mit Archäologie und Denkmalpflege Kanton Zürich

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