«Freddi-Haus»

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Undalen bei Bauma, Flarzhäuser
Undalen bei Bauma, Flarzhäuser

Mitten im Weiler Undalen bei Bauma steht ein Flarzhaus aus dem 16. Jh. Das Haus besitzt den letzten Lehmofen im Kanton Zürich und hat heute noch keinen Wasseranschluss. Der Wohnungsstandard entspricht der Zeit anfangs des 20. Jhs. Die letzte Bewohnerin, Rosa Freddi verstarb 1978 mit 93 Jahren. Seither steht dieser Hausteil unter Denkmalschutz und dient als Wohnmuseum.

«anno 1914» – das Flarzhaus Freddi im Fokus

Flarzhaus Freddi, anno 1914, SRF

Im Rahmen der SRF-Sommersendung «anno 1914» wurde das Fernsehpublikum während drei Wochen in die Zeit vor 100 Jahren zurückversetzt. Es wurden Geschichten aus dem beruflichen und privaten Alltag von Menschen unterschiedlicher sozialer Milieus erzählt. Schauplatz während dieser Zeit war auch das Flarzhaus Freddi in Undalen bei Bauma. NZZ-Artikel…

>>1. Beitrag: Einblick in den Alltag der Näherinnen Greti und Marianne im bescheidenen «Freddi-Haus».
>>2. Beitrag: Interview mit Reto Gadola, dipl. Architekt ETH/SIA, Bauberater kantonale Denkmalpflege, Region Ost.
>>3. Beitrag: Die Familie Büchi nutzt den Sonntag, um die Näherinnen Marianne und Greti im «Freddi-Haus» zu besuchen.
>>4. Beitrag: Nach Arbeitsschluss in der Fabrik besucht Milena Büchi die Näherinnen im «Freddi-Haus». Beim Bretzeln gibt es trotz Müdigkeit viel zu Lachen.

Rosa Freddi

Das «Freddi-Haus» so benannt nach der letzten Bewohnerin Rosa Freddi, ist der schmale mittlere Hausteil des sechsteiligen Reihenflarzes in Undalen. Das Flarzhaus wurde im 18. und 19. Jahrhundert weitgehend von einer Familie, den Rüegg, bewohnt, den Schulmeistern. Im Eckhaus war denn auch lange die Schulstube untergebracht. Eine der Tochter von Schulmeister Kaspar Rüegg heiratete 1876 den oberitalienischen Maurer Giacomo Freddi, starb jedoch bereits 1888 und hinterliess drei Kinder, das jüngste war Ida Rosa. Die Halbwaisen wuchsen im Haushalt ihrer Tante auf; Ida Rosa und ihr Bruder Anton erbten schliesslich den Hausteil, der den Namen «Freddi-Haus» erhielt. Bis zu ihrem Umzug ins Altersheim, also beinahe 80 Jahre, lebte Ida Rosa in diesem Haus. Als Katholikin war sie eng mit der katholischen Kirchgemeinde Bauma verbunden.

Die Freddi-Kinder blieben durch die Herkunft ihres italienischen Vaters stets italienische Staatsangehörige. Rosa Freddi hatte immer Angst, im Alter oder bei Armut nach Mantua, in die italienische Heimat ihres Vaters zurückkehren zu müssen, obschon sie gar nicht italienisch sprach. In ihrem Nachlass befinden sich die Gesuchsformulare fur die Erteilung des Schweizerischen Bürgerrechtes, doch konnte sie dieses aus finanziellen Gründen nie einreichen.

Flarz

Bauma Undalen Flarzhaus Freddi

Der Ausdruck «Flarz» bezeichnet den eigenwilligen Typus eines niedrigen, einst schindelgedeckten Hauses, das sich von der ursprünglichen Nutzung als Kleinbauernhaus mit Heimarbeit zur charakteristischen Wohnstädte landloser Fabrikarbeiter gewandelt hat. Der Weiler Undalen ist als Ganzes eines der eindrücklichsten Beispiele vor- und frühindustrieller baulicher Verdichtung abseits von dörflichen und städtischen Zentren. Der historische Kern der Siedlung besteht aus sechs mehrteiligen Flarzhäusern, deren Reihenbauweise eine Folge der hier im 17. und 18. Jahrhundert überdurchschnittlich stark verbreiteten textilen Heimindustrie ist. Als im 19. Jahrhundert die Fabrikindustrie aufkam, veränderte sich das Heimarbeiter- zum Fabrikarbeiterdörfchen. Dieser Nutzungswandel kennzeichnet auch die Besitzergeschichte des «Freddi-Hauses».

Das Haus ist ein verschindelter Bohlenstanderbau mit Hochstudkonstruktion unter schwach geneigtem, bis 1940 noch mit Brettschindeln eingedecktem Dach. Verschiedene Konstruktionselemente, so unter anderem die kurzen und in steilem Winkel angeordneten Kopfhölzer, lassen darauf schliessen, dass der Kernbau des Flarzhauses und der ganzen Gruppe auf das 16. Jahrhundert zurückgeht. Dieser ursprüngliche Vielzweckbau wurde nachträglich erweitert, umgebaut und unterteilt. Die einstmals zweiraumtiefe Wohnung des Hausteils «Freddi» vergrösserte man an der nördlichen Traufseite noch vor 1796 durch einen Hausflur, einen Ziegenstall und einen Schopf.

Die Einrichtung und die Möblierung der kleinen Behausung überliefern in authentischer Weise die Wohnkultur um 1900. Die fensterlose Küche wies bis in die 1950er Jahre einen Lehmboden auf. Ein Rauchabzug für das offene Feuer auf dem kniehohen Steinherd wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts erstellt. Die Stube mit vierteiligem Reihenfenster wird dominiert von, einem Lehmofen, dem letzten erhaltenen im Gebiet des Kantons Zürich.

Wohnmuseum

Bauma Undalen Flarzhaus Freddi

1978 hat der Kanton Zürich den erhaltenswerten Hausteil mit Fondsmitteln erworben, um den einzigartigen Zeugen der Nachwelt zu erhalten. Die von der letzten Eigentümerin, Frau Freddi, übernommene Wohnung samt Inneneinrichtung wurde 1985/86 als volkskundliches Unikat der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das kleine Museum wird von der Standortgemeinde betreut und vom Kanton unterhalten.
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