Wohnen

Erfolgsfaktoren

Auch wenn jedes Projekt immer wieder anders ist, so liefern die untersuchten Beispiele und weiteren Studien doch einige Hinweise auf Faktoren, die für den Erfolg von Projekten wesentlich sind.

1. Kommunale Einbettung, Koordination und Unterstützung

Den Gemeinden haben bei der Erstellung von Angeboten zum autonomen Wohnen im Alter eine Schlüsselrolle. Sie sollten daher, neben möglichen Partnern und künftigen Bewohnenden, von Anfang an in Vorhaben einbezogen sein, um die verschiedenen Vorstellungen zu berücksichtigen, mögliche Konflikte zu vermeiden und Synergien zu nutzen. Voraussetzung dazu ist eine Alterspolitik, die auf einem ganzheitlichen Verständnis basiert und autonomes Wohnen im Alter als bereichsübergreifenden Schwerpunkt definiert. Dreh- und Angelpunkt bei der Umsetzung bildet eine zentrale Anlaufstelle, die nicht nur Informationen und Beratungen zu Altersfragen anbietet und Betreuungs- und Pflegeleistungen vermittelt und vernetzt, sondern auch Wohnangebote für autonomes Wohnen im Alter koordiniert und fördert.

2. Vermittlung, Vernetzung und Verankerung

Erfolgreiche Projekte bauen auf Akzeptanz, Transparenz und Vertrauen auf. Für den Rückhalt in der Politik und Bevölkerung spielt die lokale Verankerung des Vorhabens eine wichtige Rolle. Auch eine aktive und regelmässige Kommunikation leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Eine enge Zusammenarbeit mit den Gemeinden, künftigen Bewohnenden und möglichen Partnern (z.B. lokale Planungsbüros und Bauträger oder Anbieter von Betreuungs- und Pflegeleistungen) fördert nicht nur eine breite Abstützung und hohe Akzeptanz, sondern ermöglicht auch den gezielten Einbezug von Wissen, Erfahrungen und Kompetenzen, ortsspezifische und innovative Lösungen, ein vielfältiges und bedürfnisgerechtes Angebot und die frühzeitige Erkennung und Nutzung möglicher Synergien. Projekte gewinnen dadurch an Effektivität und Effizienz und funktionieren auch im Betrieb.

3. Vorteilhafte Rahmenbedingungen

Während der Markt für Wohnen im Alter im oberen und mittleren Preissegment vor allem durch private Anbieter gut abgedeckt ist, besteht grosser Bedarf bei günstigen Wohnungen. Durch die Abgabe von Bauland an gemeinnützige Bauträger zu günstigen Konditionen und entsprechenden Auflagen können Gemeinden gezielt Einfluss auf das Angebot nehmen. Weiter kann die Erstellung von günstigem und altersgerechtem Wohnraum über planungs- und baurechtliche Anreize wie z.B. eine höhere Ausnützung bei massgeschneiderten Lösungen im Rahmen von Gestaltungsplanungen oder auch zinsgünstige Darlehen, wie sie von der Wohnbauförderung des Kantons Zürich oder den beiden Dachverbänden der Wohnbaugenossenschaften angeboten werden, gefördert werden.

4. Frühzeitige Klärung von Kosten- und Finanzierungsfragen

Viele bürgerinitiierte Siedlungsprojekte setzen sich zu spät oder zu wenig mit Kostenfolgen von Planungen und deren Finanzierung auseinander. Der wünschbare und machbare Standard ist daher, abhängig von der Möglichkeit und Bereitschaft der künftigen Bewohnenden, frühzeitig festzulegen. Dabei sind sowohl kostensenkende Massnahmen (z.B. reduzierte Parkierungs- und Wohnflächen, Synergien zum Wohnumfeld) als auch zusätzliche Einnahmen (z.B. durch die Integration von Pflegewohngruppen, Gemeinschaftszentren oder Büro- und Gewerbebetriebe) zu berücksichtigen. Auch die Art der Trägerschaft wirkt sich finanziell aus. Genossenschaften beispielsweise benötigen weniger Eigenkapital bei der Beschaffung von Darlehen und können externe Partner über Anteilscheine gezielt einbinden.

5. Mehr als „nur“ Alterswohnen

Viele ältere Menschen wohnen dank langjährigem Mietverhältnis oder kaum belastetem Eigentum relativ günstig. Neue Wohnangebote sind meist nur dann attraktiv, wenn die Wohnkosten ähnlich hoch sind wie bisher, jedoch mehr als nur altersgerechtes Wohnen bieten wie z.B. optionale Betreuungs- und Pflegeangebote, 24h-Notfalldienst und Nachbarschaftshilfen. Hinzu kommt, dass das Image von reinem „Alterswohnen“ für viele ältere Menschen nicht attraktiv ist, weil sie weiterhin ein aktives und selbstbestimmtes Leben nicht nur unter ihresgleichen führen wollen. In Ergänzung zu den traditionellen Alters- und Pflegeheimen sind neuartige, innovative Konzepte gefragt, die es älteren Menschen ermöglichen, lange und selbständig in ihrem vertrauten Umfeld zu wohnen und den Eintritt in ein Alters- und Pflegeheim hinauszuzögern. Projekte, welche eine Durchmischung verschiedener sozialer und demografischer Schichten sowie gelebte Nachbarschaften aktiv fördern, tragen nicht nur zu einer Aufwertung und Belebung von Siedlungen und Quartieren und ausgewogenen Bevölkerungsstruktur bei, sondern auch zu einer Reduktion des Pflegeaufwands für Gemeinden. Durch die geschickte Platzierung von öffentlichen Infrastrukturen und Nutzungen wie Gemeinschaftszentren, Bildungs- und Betreuungsangebote etc. und eine gezielte soziokulturelle Animation und Moderation wird die Vielfalt und Lebendigkeit von Siedlungen und Quartieren unterstützt.